Gemeinschaft, Gemeinschaftssuche, Gemeinschaftsgründung, Karl Heinz Meyer, ÖKODORF Institut, Ökodorf Festival, Gemeinschaften Festival, Immobilien für Gemeinschaften

ÖKODORF Institut


Definition Sekte

Laut Duden ist Sekte / Sektor ja wertfrei einfach ein Teil des Ganzen.  Politsch und kirchlich wir der Begriff jedoch mißbraucht, um unliebsame neue Konkurenz zu diffamieren:   z.B. werden spirituelle Gemeinschaften von den Kirchen oft als Sekte bezeichnet.   Deshalb wir der Begriff in der Alternativbewegung höchstens für solche Gemeinschaften verwendet, die nachweislich einige Mitgieder unterdrücken, z.B.  eine bibeltreue Gemeinschaft die Kinder mit ritualisierten Gewaltstrafen züchtigt, weil das Wort "züchtigt eure Kinder" in der Bibel vorkommt.  Solche Gemeinschaften werden deshalb nicht Teil der Netzwerke des ÖKODORF-Instituts.

Totalitäre Gemeinschaften

 

Sind Gemeinschaften potenziell totalitär?                   
Von Tonio Keller 

1. Begriffsbetrachtung

Es ist sinnvoll, zunächst den Begriff „totalitär“ zu betrachten. Laut Duden und Wikipedia wird er im allgemeinen Sprachgebrauch eigentlich nur für äußerst repressive Staaten gebraucht. Im Folgenden halte ich mich an die Definition bei Wikipedia.

Unstrittig ist der Gebrauch des Begriffes für den Faschismus/Nationalsozialismus und neuerdings für den sogenannten Islamischen Staat als totalitär zu bezeichnen. Plastisch ausgestaltet hat George Orwell in seinem Roman „1984“ den totalitären Staat.

Der Begriff „totalitär“ impliziert, dass der betreffende Staat autoritär und undemokratisch ist, geht aber darüber hinaus. Es sind also autoritäre und undemokratische Staaten möglich, die noch nicht als totalitär bezeichnet werden (bestimmte Formen von Monarchien). Man sieht daran, dass totalitär ein besonders starker Begriff ist, womöglich der stärkste in diesem Zusammenhang.

Im totalitären Staat herrscht eine bestimmte Ideologie vor, die alle Lebensbereiche der Bürger umfasst und prägt. Der Einzelne wird dieser Ideologie „total“ untergeordnet mit der Begründung, dass er nur so der Gemeinschaft dient und ihrer würdig ist. Die Identifizierung mit dieser Ideologie wird dem Bürger aktiv abgefordert und die Einhaltung ihrer Regeln kontrolliert. Abweichung wird sanktioniert bis hin zur Vernichtung des Abweichlers. Denunzianten- und Spitzeltum sind üblich und werden belohnt. Das Ganze geht einher mit einer massiven ständigen Propaganda. Totalitäre Staaten sind aggressiv gestimmt gegenüber anderen Staaten („äußere Feinde“) und münden meist in Militarismus.

 

2. Übertragung des Begriffs auf Gemeinschaften

Das oben Aufgeführte macht deutlich, dass mit dem Begriff „totalitär“ zurückhaltend umgegangen werden sollte, da er sehr extreme Ausformungen menschlicher Großgemeinschaften bezeichnet. Außerdem wäre er streng genommen nur auf Staaten anzuwenden. Trotzdem soll die Überlegung erlaubt sein, ob nicht auch auf Gemeinschaften in überschaubarer Größenordnung, wie wir sie kennen, Aspekte des Totalitären zutreffen können und in welcher Hinsicht.

Zum einen müsste für eine sinnvolle Verwendung des Begriffs „totalitär“ die Gemeinschaft Aspekte eines Staates haben, wenn auch im Kleineren und nicht in jeder Hinsicht. Das heißt, die betreffende Gemeinschaft bildet für die Beteiligten einen weitgehenden, wenn nicht gar geschlossenen Lebensraum. Zumindest im Sozialen, oft auch darüber hinaus gelten ausschließlich die Regeln der Gemeinschaft. Die Welt „draußen“, sofern man um sie nicht herumkommt, wird als „nicht zuständig“ empfunden.

Um als totalitär zu gelten, müssen für die Gemeinschaft demnach alle folgenden Gegebenheiten erfüllt sein:

·      Es gibt eine erklärte Ideologie, die für die Mitglieder als richtig, unstrittig und bindend gilt. (Meist wird sie auch für die übrige Welt als die richtige verstanden, nur dass man darauf keinen wirklichen Einfluss hat.) Diese Ideologie hat den Anspruch, alle Lebensbereiche zu umfassen.

·      Es gibt eine Person oder eine kleine Gruppe, die die Deutungshoheit der Ideologie innehat, also die Autorität der „richtigen“ Auslegung besitzt, im Grundsätzlichen wie auch in konkreten Fällen des Alltags.

·      Die Identifizierung mit der Ideologie („richtige“ Gesinnung) wird von den Beteiligten eingefordert und unterliegt einer ständigen Überprüfung mit entsprechenden Sanktionen. Die genannte Autoritätsperson oder -gruppe besitzt auch real die Macht, dies faktisch durchzusetzen (der Wunsch, es möge so sein, auch die heftige Forderung allein genügen nicht).

·      Der Einzelne kann dieser Situation nicht oder nur mit erheblichem persönlichen Schaden entrinnen. Der Versuch wird als Verrat geächtet und möglicherweise mit Drohungen oder Erpressungen geahndet.

 

3. Gegenprobe

Oben genannte Aspekte können in Gemeinschaften vorkommen und kommen auch vor, sodass man diese zu Recht als totalitär bezeichnen kann. Andererseits ist zu beachten, wo diese Bedingungen nicht erfüllt sind.

Es scheiden lose Netzwerke oder nicht lokal gebundene Gemeinschaften wie Vereine aus, die für die Beteiligten keinen umfassenden Lebensraum bieten.

Ebenso scheiden Gemeinschaften aus, bei denen Austritte ohne Sanktionen oder Schaden möglich und üblich sind (Einhaltung von Austrittsregeln und Verträgen sind davon unberührt).

Es scheiden Gruppierungen aus, die zwar dieselbe Ideologie teilen, aber keine faktische Macht übereinander haben (Gleichgesinnte, die sich in entsprechender Szene treffen und dieselbe „Sprache“ sprechen).

Streits über die Ideologie, und seien sie noch so heftig, bedingen noch keine totalitäre Gemeinschaft, auch wenn sie mit Vorwürfen, Herabsetzungen und hässlichen Worten einhergehen (ein Einzelner kann nicht totalitär gegen einen anderen sein).

Auch unsinnige Ideologien kennzeichnen nicht von sich aus eine totalitäre Gemeinschaft. (Auch die irrende Meinung ist von der Meinungsfreiheit geschützt.)

Regeln, die sich die Gemeinschaft im Sinne von Verträgen gibt (Mietzahlungen, Verantwortlichkeiten, Verbindlichkeiten etc.) und deren Einhaltung natürlich durchgesetzt werden muss, sind nicht aus diesem Grund totalitär.

Die Koppelung von Verantwortlichkeit und Entscheidungsmacht ist nicht totalitär (Eigentümer haben weitgehendere Rechte als Mieter, weil sie in höherem Maße für die Folgen geradestehen).

 

 

4. Fazit

 Jede Gemeinschaft hat eine gemeinsame Gesinnung und ein gemeinsames Ziel, ohne dieses gäbe es keinen Grund, sich zusammenzuschließen. Diese gemeinsame Gesinnung muss genährt, aufrechterhalten und gegebenenfalls geschützt werden. Dass sich dabei Einzelne hervortun, denen dies besonders am Herzen liegt (eventuell Gründer), ist natürlich. Dies sollte nicht voreilig mit dem Totalitätsvorwurf belegt werden. Ja es kann das Bestreben, nur ja nicht totalitär zu sein, eine Gemeinschaft so verwässern, dass sie inhaltsleer wird.

Die Situation kippt da, wo es nicht mehr vorwiegend um die gelebte gemeinsame Gesinnung (und deren beständige Weiterentwicklung) geht, sondern um die Sanktionierung derer, die angeblich nicht auf dem rechten Wege sind. Überhaupt ist eine Fokussierung auf den Streit um die richtige Gesinnung ein bedenkliches Zeichen.

Und schließlich ist eine (weitgehend) geschlossene Gesellschaft oder Gemeinschaft am ehesten anfällig dafür, totalitär zu werden - und eine offene umso weniger.

 

Aktuelles

Info-Telefon 07764-933999 oekodorf@gemeinschaften.de

Seminare: Wandern hinterher möglich - gut für Gemeinschaftssuche/gründung, Visionsklärung, Entscheidungsfindung, Konfliktlösung oder Naturgenuß & Erholung, auch tageweise.

Pranawandern 26.Dez.2017 + 3.1.2018 Gemeinschaft bei Gießen

Überregionales
Gemeinschaften-Festival 

28.12.2017 - 2.1.2018

im Taunus bei Gießen

für Gemeinschaften, Gründungsinitiativen & Interessierte.

4.Januar Taunus-Wandern u.a. für Gemeinschaftssuche/gründung oekodorf@gemeinschaften.de

6.Januar 2018 Pranawandern bei Hannover für Gemeinschaftssuche/gründung  oekodorf@gemeinschaften.de

14.1.2018 Pranawandern Südschwarzwald 10Uhr ab ÖKODORF-Institut u.a. für Gemeinschaftssuche/gründung. INFO:  oekodorf@gemeinschaften.de

Seminar zur Gemeinschaftssuche/
-gründung
weltweit
& Kennenlernen Gemeinschaften Südbaden

4.-6.Mai 2018

ÖKODORF-Institut bei Freiburg

Info / Anmeldung

7.Mai 2018 Pranawandern Schwarzwald ab ÖKODORF-Institut u.a. für Gemeinschaftssuche/gründung. oekodorf@gemeinschaften.de

Überregionales
Gemeinschaften-Festival 

30.Juli - 5.Aug. 2018

in Taunusgemeinschaft

für Gemeinschaften, Gründungsinitiativen & Interessierte.

7.-8.Aug. Taunus-Wandern u.a. für Gemeinschaftssuche/gründung oekodorf@gemeinschaften.de

11.-12.Aug. 2018 Pranawandern bei Hannover für Gemeinschaftssuche/gründung  oekodorf@gemeinschaften.de

Seminar zur Gemeinschaftssuche/
-gründung
weltwei
t

26.-28.Okt. 2018

Ökodorf bei Hannover

Freitag Abend - Sonntag Mittag

Info / Anmeldung