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ÖKODORF Institut


Die Energie fließt weiterDie Energie fließt weiter

Interspirituelles Ökodorffestival bei Ananda Marga

Das Ökodorf-Institut lud heuer vom 7. bis 13. August wieder zum Ökodorffestival nach Wendelsheim bei Mainz ein. Ca. 150 ökologisch und spirituell bewegte Gemeinschaftler und Interessenten waren aus ganz Deutschland und dem Ausland zur Gemeinschaft Ananda Marga gekommen. Diesmal war es die 13. Auflage und erneut mit sehr interessanten Referenten, Themen und Präsentationen von Gemeinschaften und Projekten gespickt.

Der äußere Rahmen

Das Ökodorfinstitut und die Gast gebende Gemeinschaft stellen den äußeren Rahmen zur Verfügung. Alle Teilnehmer können und sollen sich am Programm aktiv beteiligen, sodass eine Woche Gemeinschaft auf Zeit gemeinsam gestaltet wird. Die Teilnahme an allen Angeboten ist freiwillig, außer dem Dienst in der Küche, beim Putzen oder bei der durchgehenden Kinderbetreuung. Spontan kommen immer noch einige unerwartete Angebote dazu. Alkohol, Nikotin und Fleisch widersprechen den Lebensgewohnheiten der Gastgeber, deshalb nimmt man sie bei „dringendem“ Bedarf außerhalb des Gemeinschaftsgeländes ein. Über alles andere, was stören könnte, sieht die Gast gebende Mönchs- und Nonnengemeinschaft stillschweigend hinweg.
Die ganze Woche bleiben..., es ist ein Traum, den sich wiederum viele Teilnehmer trotz ausdrücklicher Ermunterung nicht erfüllen konnten.
Die zu jeder Mahlzeit wechselnden Küchenmannschaften haben einmal mehr gezeigt, dass vegetarische Kost viel mehr ist als die Abwesenheit von Fleisch. Spätestens beim japanischen Saitangemüse falle ich jedes Jahr wieder drauf herein und glaube, das wäre nun aber wirklich Fleisch.
Geschlafen wurde in mit Matratzen ausgelegten Zimmern, auf dem riesigen Dachboden und im eigenen Zelt, Auto oder Wohnmobil.

Überraschend fand ich gleich den Vorstellungsabend: Jeder im Saal macht sich individuell mit möglichst vielen anderen Teilnehmern bekannt. Nach ein paar Minuten wurden die Spielregeln immer wieder geändert. Schließlich machte jeder der Reihe nach still eine Runde und die anderen sagten, was sie von einem erfahren haben.

Dieses Jahr gab es offenbar einen spürbaren Ruck hin zu ethnologischem, indianischem und indischem alten Wissen unter dem Blickwinkel, was wir von ihnen lernen können.

Jeden Vormittag arbeitete man anderthalb Stunden in Bezugsgruppen mit täglich wechselnden Teamern. Mal wurde überwiegend das Herz, mal der Kopf oder der Körper angesprochen.
Am interessantesten fand ich das Improvisationstheater: Was sonst verschwiegen wird oder viel zu kurz kommt: In improvisierten Sketchen wurde in vorgegebenem Rahmen aggressives Potenzial wie auch viel Spaß und Freude rausgelassen. An anderen wie auch an sich selbst konnte man bemerkenswerte kreative Potenziale feststellen.

Einführend sprach der Indologe Prof. Mittwede darüber, was eine Gemeinschaft zu einer spirituellen Gemeinschaft macht. Spirituell ist die Wertschätzung des Weges (nicht das Ziel!) meines Gegenübers. In Indien wird Philosophie unter dem Blickwinkel der Einheit allen Existierenden im Hier und Jetzt betrachtet. Hindus haben keine zentrale Organisation von oben und somit keine Machtstrukturen. Sri Aurobindo definierte einen Ashram als Entwicklungslabor für Experimente mit offenem Ausgang. Schattenarbeit zu leisten ist in spirituellen Gemeinschaften besonders wichtig. Ähnliche Gruppen (mit z. B. 95% Ähnlichkeit) wie auch ähnliche Charaktere in Familien streiten mehr miteinander als unterschiedlichere Gruppen, da letztere kaum in Konkurrenz zueinander stehen. Wir brauchen also einen weiten spirituellen Pluralismus, damit, wie Vivekananda bereits 1900 ausführte, jeder das finden kann, was zu ihm passt. In der unmittelbaren Umgebung von spirituellen Führern treffen die größten Unterschiede aufeinander: Hier kracht es infolge der Wachstumsschmerzen am häufigsten und am schlimmsten.

Gemeinschaftspräsentationen

Die gastgebende Gemeinschaft Ananda Marga versteht sich als eine sozio-spirituelle weltweite Organisation mit dem Ziel, spirituelles Wachstum und gesellschaftlichen Fortschritt zu fördern und wurde 1955 von P. R. Sarkar (Anandamurti) gegründet. Fernöstliche Denkweise und westlicher Pragmatismus fügen sich hier harmonisch zusammen. Die Grundlage von Ananda Marga ist die Überzeugung von der geistigen Verbundenheit aller Geschöpfe. Von der Erkenntnis der spirituellen Einheit überzeugt, kann jeder Mensch dazu beitragen, dass diese Welt ein besserer Ort wird. Persönliche Transformation ist der Beginn für gesellschaftliche Veränderung. Ananda Marga leistet weltweit Sozialarbeit und gibt kostenlose Einführungen in Yoga. Ein Mönch leitete mehrmals täglich Meditationen und Singen interreligiöser Mantras. Notorische und gelegentliche Frühaufsteher konnten sich ab 5.00 Uhr früh (und auch abends) davon überzeugen.
Damanhur ist eine vor reichlich 30 Jahren entstandene Föderation von Gemeinschaften im norditalienischen Piemont mit ca. 1000 Mitgliedern, etwa 600 davon mit ständigem Wohnsitz dort. Die Föderation hat eine soziale und politische Struktur, eine Verfassung, 60 Wirtschaftsunternehmen, ein funktionierendes komplementäres Währungssystem, interne Schulen für seine 80 Kinder, anerkannte genetische Forschungsergebnisse und eine eigene Tageszeitung. Die Bewohner verteilen sich auf überschaubare kleine Nucleos in 44 administrativen Gemeinden, jede mit bis zu 20 Personen. Um die damanhurianische Ökogesellschaft siedelten sich in den letzten Jahren auch vermehrt kleinere und mehr wie auch weniger verbindliche Gemeinschaften, Unternehmen und alternativ gesonnene Pioniere an. Ein ehemaliges Mitglied berichtete über seine 3 Jahre Erfahrung zwischen Damanhur und Valdichy und seinen damit eng verbundenen beschleunigten Reifeprozess.

Auroville scheint als Versuch einer planetaren Muttergemeinschaft in Indien gegründet worden zu sein und wurde vom Staat wie auch von der UNESCO anerkannt. Hier scheint wohl fast jedes Experiment möglich zu sein. Auch hier gibt es die verschiedensten Verbindlichkeitsstufen, Siedlungskerne und Bauweisen. Im Auf und Ab der Zeiten war nicht immer alles eitler Sonnenschein, berichtet der Referent, der seit 30 Jahren in Auroville lebt und dort kostenlos als Stadtplaner in einem der städtebaulichen Teams arbeitet. Auroville ist ein Schmelztiegel der Nationen. Viele Mitglieder aus den verschiedensten Staaten dieser Welt arbeiten zeitweilig in ihren Herkunftsstaaten, um ihren (recht preiswerten) Lebensunterhalt in Auroville zu finanzieren. Den großen Tsunami hat Auroville erstaunlich gut überstanden. Auroville heißt nicht etwa „Goldstadt“, sondern geht auf die Gründer Aurobindo und Mira Alfassa zurück.

Seit 30 Jahren lebt, arbeitet und wohnt der erste neuzeitliche Stamm in Deutschland: Die Likatier in Füssen im Allgäu. Inzwischen gibt es 200 Stammesmitglieder. Der Stamm ist in verschiedene Stammeskreise aufgeteilt, die die verschiedenen Grade des Einlassenwollens auf den Stamm symbolisieren und verschiedene Arten von Mitgliedschaften darstellen. Wöchentlich gibt es ein getrenntes Männer-, Frauen- und Jugendtreffen, in denen persönliche, kulturelle und aktuelle Themen besprochen werden. Der Stamm betrachtet sich u. a. auch als konkurrenzfreier Erfahrungs- und Selbsterfahrungsraum.

Der Tollense-Lebenspark in Alt Rehse bei Neubrandenburg hat 3 Kernbereiche: Seminarbetrieb, alternative Landwirtschaft und alternatives Gesundheitswesen. Der Platz verfügt über 65 Hektar mit 20 bewohnbaren Gebäuden, darunter einem Schlösschen und einem ganzen Kilometer Uferlinie am schönen Tollense-See. Ihre Klammer ist der gemeinsame Konsens. Sie setzen sich mit der wechselvollen und belasteten Geschichte ihres Platzes auseinander, reißen aber keine Gebäude ab, denn sie sind in einem guten Zustand.

Die 12 Stämme aus Klosterzimmern gehören einer Gemeinschaft aus verschiedenen Ländern Europas und den USA an und machten uns klar, dass sie als urchristlich-urjüdische Gemeinschaft Liebe und Freundschaft als ihre gemeinschaftlichen Grundlagen ansehen. Sie bewirtschaften Ackerland nach ökologischen Gesichtspunkten und ließen uns eine große Menge an wunderbarem Vollkornbrot da. Innere Ruhe, Liebe und Energie darin waren spürbar. In Bayern hat ihre deutschsprachige Gemeinschaft über 100 Mitglieder.

Das Manjuscha Osho Meditationszentrum Schmiedeberg im Erzgebirge bereicherte den Austausch durch verschiedenste Meditationsangebote und Übungen zur Selbst- und Partnerwahrnehmung. Der Wave-Dance fand große Begeisterung und es ging ausnahmsweise mal richtig wild zu. Erstaunlich, wie sich die Wahrnehmung verändert, wenn sich mehrere Leute mit geschlossenen Augen im Raum bewegen. Der Wunsch nach innerer Stille bei der Menge an Informationen war groß.

Das Centro Natural La Vida wird ein Zentrum für natürliche Lebensweise und Heilung, vorgesehen für eine Gemeinschaft von zunächst 50 Personen auf einem 5 Hektar großen Areal. In der Bergwelt des großen Naturparks „El Choco“ in der Dominikanischen Republik ist eine nach ökologischen Gesichtspunkten ausgerichtet Anlage geplant. Ganzheitliches Leben, sanfter Öko-Tourismus und individuelle Naturheiltherapien sind die Ziele. Ein „Akupunkturpunkt“ für ein neues Miteinander soll entstehen. Meerblick, Heilwasserquelle, Pferdehof und ökologischer Obst-und Gemüsegarten sind schon vorhanden. Sämtliche behördlichen und Baugenehmigungen liegen vor. Mitgründer und Investoren werden noch gesucht. Sicher können wir Europäer auch dort einiges an Wissen empfangen.

Terra Mirim aus Brasilien betrachtet die Natur als ihren wichtigsten Lehrmeister und misst der Selbstfindung großen Wert bei. Die Gemeinschaft folgt dem Prinzip der integrativen Ökologie: Die Heilung des Planeten geht durch die innere und äußere Natur jeden Wesens. Obwohl erst 1992 gegründet, zucken sie bei einer Vision von 1000 Mitgliedern nicht zusammen.

Das Ökodorf Austria hat in Kärnten sein Projektzentrum, wo das Kernteam zusammenlebt und –arbeitet. Bei Ausgaben ab 100 Euro ist Konsens vereinbart, darunter freie Entnahme. Eine gemeinsame Kasse für alles ist perspektivisch nicht vorgesehen. Erstaunlicherweise sind die Kernteamler bisher nur Männer. Nach ihrer Einsicht werden Frauen kommen, wenn die schwierigste erste Aufbauarbeit abgeschlossen ist. Sie suchen noch einen 30 bis 50 Hektar großen Platz für 150 bis 300 Menschen. Hier sollen alle Generationen, Lebensformen und Überzeugungen im Rahmen von Nachhaltigkeit und Friedfertigkeit ihren Platz finden.

Hare Krishna machte eine spirituelle abendliche Feuerzeremonie (im Saal!). Sie erkennen seit einigen Jahren andere spirituelle Traditionen als gleichwertig an und die einst praktizierte aufdringliche Straßenwerbung ist seitdem out. Extra angereiste Leitungsmitglieder zeigten eine ausführliche Diaprojektion von ihrem liebevoll eingerichteten Standort und erzählten freimütig auch von den internen Meinungsunterschieden und Schwierigkeiten der Mitglieder miteinander.

Sabine und Karl-Heinz berichteten von Zielen und dem aktuellen Stand der Delfingemeinschaft und dem Ökodorf-Institut im Südschwarzwald (800 – 1000m ü. NN, gesunde Funkoase). Dort werden bereits seit vielen Jahren Seminare zur Gemeinschaftssuche und –gründung durchgeführt. Geplant ist die Weiterentwicklung zu einem multispirituellen Ökodorf, das aus Gemeinschaften verschiedener spiritueller Traditionen besteht, die sich gemeinsamen ethischen Grundwerten verpflichtet fühlen. Die Gemeinschaft verzichtet bewusst auf ein Grundsatzpapier. Damit sind bessere Synergieeffekte bei Neueinstiegen möglich.

Lokale Artabana-Gesundheitsgemeinschaften, die sich bereits an vielen Orten gegründet haben, wurden von Inge Staff vorgestellt. Bei den Artabanis stehen Eigenverantwortung, Solidarität, Transparenz, Überschaubarkeit, originelle Lösungen und das Gesundbleiben im Mittelpunkt. Jeder ist für seinen eigenen Gesundungsweg selbst zuständig. Um Mitglied zu werden, muss man bei seiner Krankenkasse nicht unbedingt aussteigen. Momentan wächst Artabana sehr schnell. Eine Idee, deren Zeit gekommen ist und von vielen Menschen aufgegriffen wird.

Die Gemeinschaft Jahnishausen bei Riesa hat 2001 ein Rittergut ersteigert. Eine Holzschnitzelfeuerung und eine biologische Kläranlage wurden realisiert. Gesundheitshof, Gästebetrieb, Seminare und Mehrgenerationswohnen sind in Planung.

Sonstiges

Tonio Keller sprach in „Keine Chance für Gockel“ über seine Erfahrungen mit Mehrfachbeziehungen. Das Beziehungsgeflecht sei eine große Herausforderung. Es existiere eine Hierarchie des Herzens.

Entsprechend den Mehrheitswünschen wurden abends Videos und nach Anlaufschwierigkeiten auch CDs über Auroville, Findhorn und verschiedene andere Gemeinschaften gezeigt.

Seit diesem Jahr übernehmen regelmäßige Festivalteilnehmer wieder den gleichen Fokus, verbessern ihn und bauen ihn aus. Das hat sich schon spürbar auf die Qualität ausgewirkt.

Über den Jahreswechsel organisiert Karl-Heinz Meyer seit einigen Jahren auch ein vergleichbares Winterfestival im Projektzentrum Maibacher Schweiz im Taunus, so auch dieses Jahr. Wer im August keine Zeit hat, kann hier eine Alternative finden.

Anmerkungen und Fragen gerne an: peterstielicke@gmx.de

Aktuelles

Info-Telefon 07764-933999 oekodorf@gemeinschaften.de

Seminare: Wandern hinterher möglich - gut für Gemeinschaftssuche/gründung, Visionsklärung, Entscheidungsfindung, Konfliktlösung oder Naturgenuß & Erholung, auch tageweise.

Pranawandern Alpen tageweise bis 29.Juli

Pranawandern Chiemgau 29.9.-3.10.(Feiertag)

Seminar zur Gemeinschaftssuche/
-gründung
weltweit & Kennenlernen Gemeinschaften Südbaden

20.-22.Okt.

ÖKODORF-Institut bei Freiburg

Info / Anmeldung

24.Okt. Pranawandern ab ÖKODORF-Institut Schwarzwald

Seminar zur Gemeinschaftssuche/
-gründung
weltweit

3.-5.Nov.2017

Ökodorf bei Hannover

Info / Anmeldung

6.Nov. Pranawandern bei Hannover

Pranawandern 26.Dezember 2017 Gemeinschaft bei Gießen

Überregionales
Gemeinschaften-Festival 

28.12.2017 - 2.1.2018

im Taunus bei Gießen

für Gemeinschaften, Gründungsinitiativen & Interessierte.

10.-13.Mai 2018 Pranawander-Heilung mit Sabine Ainjali & Karl-Heinz Meyer ab ÖKODORF-Institut, nur als ganzes buchbar oekodorf@gemeinschaften.de

Überregionales
Gemeinschaften-Festival 

Pfingsten oder Sommer 2018

in Taunusgemeinschaft

für Gemeinschaften, Gründungsinitiativen & Interessierte.